Demütigungen und ihre Folgen: Ein Beispiel


Der „Stadtteil“ Rocinha ist das größte Elendsviertel in Rio de Janeiro, wahrscheinlich sogar in ganz Südamerika – wie viele Menschen an und auf diesem Steilhang in erbärmlichsten Verhältnissen leben, kann keiner genau sagen: Die Schätzungen liegen irgendwo zwischen 200.000 und 300.000 Einwohner.

Hauptsächlich sind es entwurzelte Landarbeiter-Familien, die auf der Suche nach etwas Glück und materieller Sicherheit vom Land in die Stadt geflohen sind – und hier als Gestrandete hart, sehr hart um ihr Leben kämpfen müssen. Dies ist der ideale Sumpf, in dem Drogenkonsum, Prostitution und Bandenkriminalität gedeihen können – es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo in der Rocinha eine Frau vergewaltigt, ein Mann misshandelt oder ein Mensch getötet wird.

Leidtragende dieser brutalen Lebensverhältnisse sind vor allem die Kinder. Nicht nur, dass häusliche Gewalt und Enge, mangelhafte Ernährung und fehlende Zuwendung schon sehr früh zu psychischen Störungen führen – die älteren Kinder werden herum geschubst und erniedrigt, keiner kümmert sich um sie, keiner will sie, keiner glaubt an sie.

Und da das staatliche Bildungsangebot völlig unzureichend ist, lungern diese Kinder dann hilflos auf der Straße herum und verfallen dem Drogenkonsum, der Kriminalität und Prostitution – der Teufelskreis schließt sich, aus gedemütigten Kindern werden hoffnungslose und brutale Eltern.